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Breitbandausbau in Nordfriesland nimmt Konturen an

22.04.2009

Ein schneller Internetanschluss als wichtiger Standortfaktor für Nordfriesland

Spricht man heute von Infrastruktureinrichtungen in einer Region, so sind damit längst nicht mehr nur Versorgungs- und Verkehrseinrichtungen wie Straßen, Strom, Wasser, Krankenhäuser und Müllabfuhr gemeint, sondern auch die Erschließung mit schnellen Internetverbindungen. Die bekannteste Technologie für das Versenden und Empfangen großer Datenmengen per PC ist die DSL-Verbindung über das Telefonkabel oder Glasfaserleitungen. Alternativ können die Daten auch über das Fernsehkabel, Satelliten oder Stromleitungen ins Haus kommen. In den großen Städten haben die Anbieter schon längst für leistungsstarke Anschlüsse gesorgt, weil es sich wirtschaftlich rechnet. Im ländlichen Raum, oder gar auf Inseln und Halligen, ist die neue Technik noch längst nicht überall Standard.

Zwar sind die meisten Unternehmen und Haushalte in und um Husum, Niebüll, Tönning und St. Peter-Ording bereits seit Jahren gut angebunden. „Dort stehen Übertragungsraten von bis zu sechs Megabit (MB) zur Verfügung, was für heutige Ansprüche zurzeit noch ausreicht. Doch die Anforderungen steigen, und die Infrastruktur muss mitwachsen“, stellt Landrat Dieter Harrsen fest.

Dr. Matthias Hüppauff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland, begreift schnelle Internetanschlüsse als wichtigen Standortfaktor. „Auch in Nordfriesland sind große Teile des ländlichen Raums nur lückenhaft versorgt“, schildert er die Situation. Doch das soll sich nun ändern, denn Nordfrieslands Ämter kümmern sich selbst um den flächendeckenden DSL-Ausbau in ihren Gemeinden.

Die Richtlinie des Landes Schleswig-Holstein zur Breitbandförderung schreibt als ersten Schritt eine Bestandserhebung vor, die feststellt, welche Wohngebiete bereits mit welcher Technik versorgt sind. Danach ist eine Machbarkeitsstudie zu erstellen, die technik- und anbieterneutral erhebt, wie der Ausbau stattfinden könnte und welche Kosten entstehen würden. In Stufe drei folgt eine europaweite Ausschreibung für den konkreten Leitungsausbau. Bis zu 60 Prozent der Kosten können Land, Bund und EU gemeinsam übernehmen.

Am weitesten in diesem Verfahren sind die Ämter Südtondern und Mittleres Nordfriesland. Sie haben bereits eine gemeinsame Ausschreibung auf den Weg gebracht und hoffen, in drei bis fünf Jahren flächendeckend mit mindestens 16 MB an das weltweite Netz angeschlossen zu sein. „Das sind immerhin weitere 50 Gemeinden mit rund 60.000 Einwohnern, die bis spätestens 2014 am Netz sein werden“, lobt Harrsen das Engagement vor Ort.

Im übrigen Kreisgebiet hat das Amt Nordsee-Treene die Nase vorn. Hier ist Ende März eine Machbarkeitsstudie fertig gestellt worden, nun kann die Ausschreibung folgen. Allerdings steht das Amt noch in Verhandlungen mit den Nachbarämtern Viöl, Eiderstedt und den Städten Husum, Friedrichstadt und Tönning, die mit Blick auf die Zukunft an noch schnelleren Datennetzen interessiert sind. „Eine gemeinsame Ausschreibung hätte natürlich erhebliche Einsparpotentiale – nicht nur auf der Anbieterseite, sondern auch bei den Verwaltungen. Auch hier gehen wir davon aus, dass die Ausschreibung noch 2009 veröffentlicht wird“, erläutert Hüppauff.

Für die Inseln und Halligen koordiniert das dortige Regionalmanagement das Verfahren. Teilweise ist man mit Übertragungsraten von zwei bis drei MB schon gut versorgt, doch es wird diskutiert, sich dem Verfahren der südlichen Kreisämter anzuschließen. Einzig die Insel Sylt sieht sich ausreichend gut erschlossen.

„Angestrebt wird eine Übertragungsrate von mindestens 16 MB. Das lässt noch deutlich Luft für leistungsstärkere Endgeräte, die es in den nächsten Jahren sicherlich geben wird. Allerdings spricht Bundeskanzlerin Merkel auch schon von 50 MB“, erklärt Landrat Harrsen. „Es wäre wünschenswert, wenn der Ausbau der Bundesstraßen im gleichen Tempo voranginge.“

Ganz billig wird die Erschließung nicht: Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft schätzt, dass für die Umsetzung im gesamten Kreisgebiet noch eine Finanzierungslücke von 20 bis 30 Millionen Euro bestehen dürfte. Erst einmal müssen aber die genauen Ausschreibungsergebnisse abgewartet werden.

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